Der Kreuzbandriss ist beim Hund die häufigste Ursache, die aufgrund einer Lahmheit diagnostiziert wird. Dabei ist es unerheblich, ob es um einen großen, schweren oder einen kleinen, leichteren Hund handelt. Allerdings ist der Kreuzbandriss beim Hund eine vollkommen andere Diagnose als beim Menschen. Deshalb sollte einmal Licht ins Dunkel gebracht werden.

Was macht das Kreuzband?

Es gibt zwei Kreuzbänder: Das hintere und das vordere Kreuzband am Knie. Ihre Aufgabe ist es, das Schienbein wie auch den Oberschenkel derart zu stabilisieren, dass bei jeglicher Belastung des Knies die beiden Knochen in ihrer Position bleiben und sich nicht gegeneinander verschieben können.

In den meisten Fällen handelt es sich um das vordere Kreuzband, das beim Hund reißt. Dadurch ist es möglich, dass das Schienbein beim Auftreten mit dem Hinterbein nach vorn rutscht.

Der Kreuzbandriss, am besten frühzeitig erkannt

Der Kreuzbandriss ist für den Tierarzt eine extrem häufige Diagnose. Für den Hundebesitzer jedoch ist es meist das erste Mal, dass er mit diesem Befund konfrontiert wird. Kein Wunder also, dass er den einen großen Unterschied zum Kreuzbandriss beim Menschen nicht kennt. Während sich der Kreuzbandriss beim Menschen meist durch ein einmaliges Trauma einstellt, haben wir es (meist) beim Kreuzbandriss des Hundes mit einem degenerativen Problem des vorderen Kreuzbandes zu tun. Ja, ganz richtig – degenerativ. Im Laufe der Zeit nutzt es sich ab, ist nicht mehr so elastisch wie in jungen Jahren. Somit nutzt es sich wortwörtlich Faser für Faser ab. Und irgendwann reißt auch die letzte Faser, sodass der Kreuzbandriss vollständig ist.

Richtig, in diesem Szenario weiß man lange Zeit überhaupt nicht, dass der Hund Probleme mit dem Kreuzband hat. Man geht von vollkommen anderen Einschränkungen aus. Gerade bei älteren Hunden wird zunächst die Arthrose / Arthritis in die Waagschale geworfen. Deshalb ist es so wichtig, gerade bei den Senioren, den Tierarzt aufzusuchen, um eine fundierte Diagnose zu erhalten. Diese wird unter anderem durch Röntgen oder MRT gestützt. Dazu jedoch später. Zunächst einmal wird man feststellen, dass der Hund das betroffene Bein weniger belastet.

Vielleicht ist er auch sehr gut darin, das Gewicht auf die drei verbleibenden Beine zu verlagern, sodass man ihm eventuell eine ungleiche Muskulatur ansehen kann. Vermutlich wird er auch einige Änderungen in seinem Laufverhalten zeigen. Dies kann sich in kürzeren Spaziergängen ebenso äußern wie das Verweigern seiner Lieblingsspiele.

Der Grund ist eindeutig: Diese fortwährende oder zwar kurzfristige doch sehr intensive Belastung schmerzt. Auch bei Putzen des Tieres kann zu Schmerzäußerungen kommen, wenn man am Knie angelangt ist oder es festhalten muss. Das Unangenehme dieser Verhaltensweisen für den Besitzer und das Erkennen, dass eine gravierende Störung vorliegt, ist die Tatsache, dass es Phasen gibt, in denen die Problematik besser zu sein scheint als in anderen Phasen. Vielleicht sind sie tatsächlich vom Wetter abhängig. Vielleicht liegt an den Personen, die man trifft.

Tatsache ist, dass sich für den Laien kein eindeutiges Bild erschließt. Und genau aus diesem Grunde wird ein echter Tierarzt die genaue Ursache für die Lahmheit, den Unwillen am Laufen und den eventuellen Schmerbekundungen herausfinden müssen. Er hat bei Bedarf die notwendigen diagnostischen Geräte.

Für den Tierbesitzer bedeutet dies, dass er sich bei wiederkehrenden Schmerzen des Knies absichern muss. Natürlich kennt jeder Besitzer seinen Hund am besten. Deshalb können die meisten langjährigen Hundefreunde einige Schmerzen ihres Tieres durchaus sehr gut einschätzen. Und doch gilt es in diesem Fall, die verschiedenen, möglichen Ursachen voneinander abzugrenzen.

Diese Differenzialdiagnostik jedoch ist dem Tierarzt mit seinen vielfältigen Diagnosemethoden vorbehalten. Zumal darf nicht vergessen werden, dass es durchaus notwendig sein kann, dass der Hund für das Röntgen oder die Aufnahme des MRT in eine Kurznarkose versetzt wird. Diese Option ist in den eigenen vier Wänden natürlich nicht gegeben. Hier ist ein Besuch in der Tierklinik, schlimmstenfalls ein Kurzaufenthalt notwendig.

Die Differenzialdiagnostik

Genau – jetzt stellt sich die Frage, welche Probleme noch in Frage kommen, wenn es sich nicht um einen Kreuzbandriss handelt. Denn eines ist sicher: Lahmheit ist nicht gleich Lahmheit, auch wenn sie alle mit humpeln und der zunehmenden Belastung der anderen Extremitäten einhergehen.

  • Das betroffene Bein wird zunächst manuell abgetastet. Auch werden Versuche durchgeführt, das Bein in die verschiedenen Richtungen zu strecken bzw. es zu beugen. Beim Kreuzbandriss wird insbesondere das Strecken zu einer schmerzhaften Angelegenheit.
  • Im Regelfall ist das Gelenk „füllig“, umgangssprachlich geschwollen.
  • Kann mittels der manuellen Diagnostik nicht konkrete eine endgültige Diagnose gestellt werden, so ist es notwendig, dass die maschinelle Diagnostik eingebunden wird. Mit den Aufnahmen, die hiermit von den Gliedmaßen gemacht werden können, wird die konkrete Problematik nicht nur gefunden. Auch können verschiedene Eingriffe mit ihrer Unterstützung direkt durchgeführt werden.
Kreuzbandriss: bei Verdacht immer zum Tierarzt! | Foto: pressmaster / Depositphotos.com

Die Behandlung eines Kreuzbandrisses

Verschiedene Behandlungskonzepte stehen für diesen Eingriff zur Verfügung. Unter anderem ist die Schwere des Risses, das Alter des Hundes sowie auch die finanzielle Situation des Besitzers von der Therapie abhängig. Sicherlich hört sich dies etwas hart an. Doch ist es tatsächlich so, dass etwa bei einem Polizeihund, der durch die Privatversicherung über die Polizei „krankenversichert“ ist und auch die gesamten Reha-Kosten übernommen werden, eine andere Behandlung erhalten kann als der kleine Schäfer-Mix einer Rentnerin.

Auch wenn für den Hundebesitzer der Kreuzbandriss nicht sofort ersichtlich ist, sollte eine Kontrolle der Problematik des Bewegungsapparates durch den Tierarzt so früh wie möglich durchgeführt werden, damit der Schaden begrenzt werden kann.

Je länger der Gang zum Tierarzt herausgezögert wird, desto schwieriger kann es werden, das Gelenk adäquat zu behandeln. Grundsätzlich aber lassen sich folgende Behandlungsschritte erkennen:

TPLO Tibia plateau leveling osteotomy

Hierbei handelt es sich um eine Anpassung der Gelenkfläche des Schienbeines. Sie wird chirurgisch vorgenommen. Dieser Eingriff wird in Vollnarkose vorgenommen. Der Winkel der Tibiagelenkfläche (Tibiapleau) beträgt circa 25°. Dieser Wert ist individuell, daher muss er bei jedem Tier separat ermittelt werden. Er wird auf circa 5° gedreht. Hierfür werden ganz spezielle Röntgenbilder benötigt, die zu Beginn des Eingriffs gemacht werden. Der veränderte Winkel führt dazu, dass die Kräfteverteilung des Gelenks nun auch ohne Band adäquat funktioniert. Es wird nach der Abheilung stabil sein, ohne dass der Oberschenkelknochen Gefahr läuft, abzurutschen.

Ob eine Bewegungseinschränkung entsteht, kann nicht vorhergesagt werden, da jeder Fall individuell ist. Selbstverständlich wird der gesamte Heilungsprozess wie auch die anschließende Physiotherapie von den Chirurgen überwacht. Ohne weitere Kontrolluntersuchungen sollte man es nicht auf sich beruhen lassen. Auch Hunde mit der Vordiagnose Arthrose können auf diese Weise behandelt werden. Die eventuellen Vorschäden können nicht behoben werden. Jedoch wird der Arthroseverlauf für gewöhnlich verlangsamt. Die Schmerzen werden gemindert.

Eine Rückkehr in den Hundesport oder den Dienst, etwa bei Rettungs- oder Polizeihunden, kann erst nach vollständiger Ausheilung und mit dem Okay des Tierarztes erlangt werden. Die Ausheilung kann zwischen 8 und 12 Wochen andauern. In dieser Zeit ist weitestgehende Schonung angesagt. Sicherlich sind die normalen kurzen Spaziergänge erlaubt, sogar erwünscht, um die Muskulatur weiterhin leicht zu belasten.

Hastige Bewegungen, Laufen oder gar Springen ist ein absolutes No-Go in dieser Zeit. Hier ist nicht nur die Disziplin des Hundes, sondern der Einfallsreichtum des Besitzers gefragt, um den Hund im Zaum zu halten.

TTA Tibial Tuberosity Advancement

Auch dieser Eingriff ist chirurgisch und wird unter Vollnarkose durchgeführt. Bei dieser Operation wird die vordere Schienbeinseite derart verändert, dass sich die Position der Sehne des Kniestreckermuskels verändert. Mit dieser Operation wird die Stabilität des Gelenks wieder erreicht. Das Kreuzband wird, genau wie bei der TPLO nicht mehr benötigt.

Es dauert gut 2 Monate, bis der Knorpel sich mit Unterstützung von Medikamenten wieder ausreichend aufgebaut hat. In diesem Zeitraum ist nur eine leichte, schonende Bewegung angesagt. Es wird ein absoluter Leinenzwang in dieser Zeit angeordnet, damit der Hund sich nicht eigenständig in eine schnellere Gangart bringt. Denn Hunde können in Bezug auf ihr Schmerzempfinden extrem unvernünftig sein. Nach und nach kann die Länge der Spaziergänge ausgedehnt werden. So wird nicht nur die Kondition wieder gesteigert, sondern auch die Belastung auf das Gelenk.

Auch in diesem Fall kann die Physiotherapie unterstützend wirken. Dies gilt übrigens auch für eine gute Akupunktur, die nach traditionell chinesischen Gesichtspunkten gesetzt wird. Sie wird den Heilungsprozess unterstützen. Es versteht sich von selbst, dass auch nach der Ausheilung das Training bzw. der Konditionsaufbau langsam vorgenommen wird, um das Gelenk nicht unnötig zu belasten und dem Hund Folgeschäden oder Schmerzen zu ersparen.

Bandersatz außerhalb des Gelenkes

Dieses Verfahren wird Tight Rope CCL Technik genannt. Das Kreuzband wird außerhalb des Gelenks durch ein entsprechendes, künstliches Band ersetzt. Dieses Verfahren wird vornehmlich bei kleineren Hunden eingesetzt. Das Problem, das bei einem Bandersatz auftritt, ist die Tendenz zum erneuten Reißen. Dabei ist es unerheblich, ob der Bandersatz innerhalb oder außerhalb des Gelenks eingesetzt wird. Bei beiden ist dasselbe Problem zu verzeichnen.

Der äußere Einsatz jedoch zeigt die besseren Ergebnisse auf. Der Bandersatz wird in einem mikroinvasiven Eingriff durch eigens gefertigte Löcher im Oberschenkelknochen als auch am Schienbeinknochen gezogen, um die gewünschte Stabilisierung zu erreichen. Das so genannte Tight Rope CCL Material ist zur Zeit das stabilste und damit langlebigste auf dem Markt. Die Erfolgsquote ist sehr hoch. Die Operationsmethode ist sehr schonend. Auf diese Weise kann der Hund relativ schnell nach der Operation wieder belastet werden.

Selbstverständlich ist auch bei dieser Variante eine nachfolgende Schonzeit notwendig. Sie kann jedoch bei guter Verheilung der Operationsnarben und dem Okay des behandelnden Tierarztes wesentlich kürzer gehalten werden als bei den vorgehenden Varianten, da die Knochenbeteiligung relativ gering ausfällt.

Beim Tierarzt in den besten Händen

Nein, niemand möchte, dass das eigene Tier einen Kreuzbandriss erleiden muss. Allerdings ist es nicht notwendig, sich aufgrund einer eventuellen Operation Sorgen machen zu müssen. Die Tierkliniken, die einen solchen Eingriff durchführen, sind bestens mit den unterschiedlichen Methoden vertraut, sodass sich der Hund stets in bester Obhut befindet.

Man kann den Kreuzbandriss nicht vermeiden, wenn eine gewisse Prädistination dafür vorhanden ist. So sollte man stets ein Übergewicht vermeiden, da jedes Gramm zu viel ein kleiner Schritt zum Kreuzbandriss bedeuten kann. Ebenso sollte man mit großen, schweren Hunden gewisse Spiele, die viel mit wildem Rennen und plötzlichem Stoppen zu tun haben, weitestgehend vermeiden. Auch plötzliche Stopps können, rechnet man sie alle zusammen, irgendwann zu einem unerwünschten Ergebnis führen.

Und letztlich können vor der Anschaffung eines Hundes Rassen, die für den Kreuzbandriss anfällig sind, aussortiert werden. Nein, selbst dann ist man nicht davor gefeit. Wer aber weiß, dass das Knie eine Schwachstelle darstellen kann, hat die Möglichkeit, mit seinem Hund von vornherein anders zu spielen. Es gibt heute so viele Optionen, seinen Hund zu beschäftigen, um einen vorzeitigen Verschleiß der Kreuzbänder so weit wie möglich heraus zu zögern.

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Letzte Änderung: 31. Mai 2024