Es kann einfach so passieren, dass der Hund zu zittern beginnt und nicht wieder damit aufhört. Doch ist keine ersichtliche Ursache vorhanden. Was kann das Zittern auslösen und warum hört es nicht wieder auf?

Verschiedene Ursachen können aus medizinischer Sicht für ein Zittern gefunden werden. Um den Hund wieder vollständig auf die Beine zu stellen, ist es zwingend notwendig, diese Ursache zu finden.

Was ebenfalls unbedingt notwendig ist, ist IHRE innere Ruhe, die Sie sich unbedingt behalten müssen, um dem Hund das Gefühl des Beschütztseins geben zu können. Damit vermitteln Sie ihm, dass alles in Ordnung ist, wie es ist. Und er wird es Ihnen glauben und sich sicher fühlen.

Augen und Ohren, um der Sache auf die Spur zu kommen

Wollen wir ganz ehrlich sein, hört man den folgenden Satz insbesondere von Tierheilpraktikern, insbesondere den Homöopathen: „Seien Sie als Besitzer meine Augen, meine Nase und meine Ohren! Sie berichten mir, welche Beobachtungen Sie zu Hause an dem Hund machen konnten.“.

Genau genommen müsste aber jeder Tierarzt den Besitzern seiner Patienten stellen. Schließlich ist nicht immer eindeutig, wo der Schuh drückt, wenn sie bei ihm in der Praxis sind. Das Schwierige an dieser Aufgabe ist aber, das Ganze emotionslos zu notieren und entsprechend beim Tierarzt oder Tierheilpraktiker vorzutragen. Denn die Emotionen stehen uns bei einer unvoreingenommenen Darstellung nun einmal im Wege.

Was also wird vom Hundebesitzer verlangt? Im Prinzip sind es ganz einfache Fragen, die er dem Tierarzt / Tierheilpraktiker beantworten muss:

  • Wann hat das Zittern angefangen?
  • Wie lange hält es bereits an? Es ist ebenfalls von Wichtigkeit, wie lange ein Zitteranfall anhält, auch wenn es nur wenige Minuten sind.
  • Wie groß sind die Abstände zwischen den Zitter-Attacken? Minuten, Stunden, Tage oder noch länger?
  • Gab es einen ersichtlichen Auslöser, etwa einen langen Spaziergang im kalten Regen oder ein Bad im kalten See?
  • Hat er etwas Ungewöhnliches gefressen?
  • Bekommt er regelmäßig Medikamente bzw. sind chronische Erkrankungen vorhanden?
  • Hat der Hund Schmerzen gezeigt?
  • Kamen andere Symptome hinzu, etwa Erbrechen oder Durchfall, Husten oder Atemprobleme? Auch Appetitlosigkeit, allgemeines Unwohlsein (ja, beim Hund schwer zu erkennen), eine verminderte Fellqualität (schlecht aussehendes Haarkleid), Probleme mit dem Gleichgewicht und ähnliches können sowohl Auslöser als auch Begeiterscheinungen des Zitterns sein.
  • Zittert das Tier nur an den Extremitäten? Zittert der gesamte Körper des Hundes?
  • Wie ist die Stimmungslage des Hundes? Niedergeschlagen, fröhlich, aufgeregt, ruhig,

Diese Frage sollten Sie dazu anregen, Ihren Hund in einer solchen Situation ganz genau zu beobachten. Jede Kleinigkeit kann wichtig sein. Am besten notieren Sie es sich. So können Sie dem Behandler Ihre „gesammelten“ Werke schnell vorstellen, damit er sich einen Überblick verschaffen kann.

Ein zitternder Hund wird vom Tierarzt untersucht
Ein zitternder Hund wird vom Tierarzt untersucht. | Foto: SergPoznanskiy / Depositphotos.com

Die Definition des Zitterns

Zittern wird in Fachkreisen auch als Tremor bezeichnet. Hierbei handelt es sich um das rhythmisch wiederholte Kontrahieren unterschiedlicher Muskelgruppen. Ein Tremor kann sowohl im aktiven, als auch im passiven Zustand ausgelöst werden. Eine durchschnittliche Zeitdauer kann hierzu nicht genannt werden. Sie ist absolut individuell und abhängig von den Umständen, den Ursachen.

Mögliche Ursachen für ein Zittern des Hundes

Es gibt viele Ursachen, die zum Zittern führen können.

  • Freudige Erregung, etwa wenn das Herrchen nach Hause kommt
  • Angst
  • Kälte
  • Träume – ja, auch Hunde träumen, erleben den Tag erneut im Schlaf
  • Nervosität
  • Stress
  • Unsicherheit
  • Schwäche
  • Fieber
  • Kreislaufschock
  • Vergiftung
  • Nervenkrankheiten
  • Muskelerkrankungen unter anderem Schwäche

Es ist richtig, dass zwischen bedenklichen und unbedenklichen Gründen für einen Tremor entschieden werden muss. Die unbedenklichen Gründe liegen offen auf der Hand: Freude über das Futter oder das Gassi gehen, Freude auf die Hundekumpels. Aber auch die Erregung, wenn man seinen Erzfeind auf der Straße trifft oder wenn der ein unerwünschter Besucher, oftmals der Postbote, sich in Richtung der eigenen Eingangstür bewegt.

Auch das Zittern, die Laufbewegungen und andere muskuläre Bewegungen im Traum sind den meisten Hundebesitzern bekannt. Natürlich weiß man nicht, was gerade im Kopf des Hundes vor sich geht. Wichtig ist den Hundebesitzer nur, dass er weiß, dass dem Hund im Traum ja nichts wirklich passieren kann. Zu diesen Traumäußerungen können auch Knurren, Bellen und Jaulen gehören. Allerdings sollte man wissen, dass die Zuckungen, das Zittern im Schlaf zu den unkontrollierten, unrhythmischen Muskelkontraktionen gehört. Sobald der Traum vorbei ist, hört auch das Zittern und Zucken auf.

Die bedenklichen Gründe für ein Muskelzittern sollte allerdings beobachtet werden. Merken Sie sich, wie lange diese Phasen andauern und wie oft es dazu kommt.

  • Das Frieren: Natürlich setzt jedem Hund Kälte anders, ganz individuell zu. In diesem Fall muss die Rassezugehörigkeit beachtet werden. Hierbei haben wir es mit einer Ursache zu tun, die zumindest bedingt, wenn nicht gar ganz aufgehoben werden kann. Zu diesem Zweck gibt es die Hundemäntel, Decken und Kuschelkissen, die den Hund warmhalten können. Die Muskeln beginnen im kalten Zustand zu zucken, um Wärme zu erzeugen. Dies ist eine Reaktion, die nicht kontrollierbar ist. Sollte der Hund allerdings ständig frieren, kann eine Abklärung beim Tierarzt für Klarheit sorgen. So neigen ältere Hund zu einer erhöhten Kälteempfindlichkeit. Ein Ganzkörpercheck kann auf keinen Fall schaden.
  • Schmerzen aller Art können zu einem Zittern der Gliedmaßen führen. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um ein akutes Trauma des Bewegungsapparates, einen eingetretenen Dornen oder aber Schmerzen im Verdauungstrakt handelt. Diesen Schmerzen ist mit einer guten Diagnostik auf die Spur zu kommen. Können sie durch eine adäquate Behandlung gestoppt werden oder verschwinden von alleine wieder, wird auch das Zittern behoben sein. Sollte dies nicht möglich sein, ist mittels einer weiterführenden Diagnostik zu überprüfen, ob eine akute oder chronische Erkrankung zu den Schmerzen geführt haben.
  • Fieber: Natürlich kann es immer einmal zu einer erhöhten Temperatur kommen. Allerdings sollte sie schnell wieder sinken, sich auf keinen Fall erhöhen und zu einem Fieber werden. Sowohl Fieber als auch Schüttelfrost können zum Zittern führen. Es liegt an der Umgebungstemperatur, die derart kalt erscheint, dass der Körper mit Kontraktionen versucht, Wärme, die ja eigentlich schon im Überfluss vorhanden ist, zu erzeugen.
  • Entzündungen: Sie können überall im Körper auftreten. Es handelt sich um oftmals schleichende Prozesse, sodass man die Anfänge der Entzündung überhaupt nicht erkennen kann. Hat man sie letztlich entdeckt, geschieht es oftmals nur aufgrund des Zitterns. In den meisten Fällen sind Entzündungen ein Fall für den Fachmann. Sie müssen vollständig ausgeheilt werden, um den Hund nicht durch späteres erneutes Aufflackern oder chronisch, latentes Vorhandensein weiterhin zu belasten.
  • Muskelschwäche ist ein Phänomen, das bei älteren Hunden sehr oft zutage tritt. Sicherlich ist diesem altersbedingten Phänomen nicht oder nur bedingt zu entgehen. Doch ist es wichtig zu wissen, dass es bei Senioren jederzeit auftreten kann. Diese Muskelschwäche kann dazu führen, dass selbst kurze Wege schon eine starke Belastung der Muskulatur bedeuten.
  • Neurologische Erkrankungen: Ist die Signalübertragung der Nerven gestört, kann es zu vermehrtem Zittern kommen. Verschiedene Krankheiten kommen für diese Störungen in Frage, Epilepsie, Staupe, das White-Dog-Shaker-Phänomen. Doch auch andere Ursachen können zu einer Nervenschädigung führen. So können verschiedene Vergiftungen zu einem neurologischen Ausfall führen.

Stehen diese gesundheitlichen Phänomene mit einem Zittern in Verbindung, kann der Tierarzt bereits einschätzen, in welchem Bereich er seine Untersuchungen durchführen muss. Anzeichen wie Gewichtsverlust deuten auf ein organisches, körperliches Geschehen hin, das sehr oft mit Kälte bzw. einem Kälteempfinden einhergeht. Gleichgewichtsprobleme oder eine gewisse Verwirrtheit zeugen von einem nervlichen Problem.

Welche diagnostischen Maßnahmen stehen zur Verfügung?

Das Wichtigste ist zunächst Ihre Berichtserstattung. Schildern Sie Ihre gesamten Beobachtungen so genau wie möglich, damit der Behandler einen ersten Ansatzpunkt finden kann. Selbstverständlich erfolgt grundsätzlich eine intensive Allgemeinuntersuchung, die dann seinen Verdacht (hoffentlich) bestätigt, sodass er ganz gezielt fortfahren kann.

  • Neurologisch
  • Orthopädisch
  • Bei Bedarf Röntgen
  • Blutdiagnostik, etwa um Entzündung und Mangelerscheinungen erkennen zu können. Ebenso können Vergiftungen, Infektionen, aber auch bestimmte Tumormarker und Schädigungen der Muskulatur durch das Blut aufgedeckt werden.
  • Ultraschalluntersuchungen tragen dazu bei, die inneren Organe sowie das Weichgewebe zu beurteilen.
  • In größeren Praxen oder Tierkliniken können CT oder MRT zur Diagnostik eingesetzt werden. Insbesondere werden sie zur Bewertung des Bewegungsapparates, des Gehirns sowie der Wirbelsäule hinzugezogen, wenn die reguläre Diagnostik nichts zutage hat bringen können. Es handelt sich bei diesen diagnostischen Methoden um dreidimensionale Darstellungen in kleinsten Abschnitten, sodass auch kleinste Gewebsveränderungen erkannt werden können.

Die neurologischen und orthopädischen Untersuchungen werden zumeist gemeinsam durchgeführt, da die Symptomatik ähnlich sein kann bzw. eine Beeinträchtigung beider Systeme zeitgleich vorhanden ist.

Die Behandlung des Zitterns

Konnte eine genaue Diagnose erstellt werden, ist auch eine zielgerichtete Behandlung möglich. Grundsätzlich wird sich diesbezüglich nach der Ursache und der daraus folgenden Diagnose gerichtet. Somit wird die Therapie für jeden erkrankten Hund anders aussehen. So kann eine medikamentöse, aber auch eine manuelle Therapie notwendig sein. In diesem Zusammenhang stehen folgende Therapeutika zur Verfügung:

  • Kortison
  • Schmerzmittel
  • Antiepileptika
  • Immunsuppressive Präparate
  • Präparate, die die Bereiche Herz und Kreislauf stabilisieren

Nicht immer ist eine medikamentöse Therapie notwendig. Handelt es sich etwa um ein Zittern, dass von Muskelverspannungen, Überbelastung oder ähnlichem hervorgerufen wird, so können auch manuelle Therapien zum Tragen kommen. Wenn Sie an einen aufgeschlossenen Therapeuten geraten, wird dieser Ihnen gerne einige Handgriffe an die Hand geben, damit Sie dem Hund auch zu Hause etwas Gutes tun und die Verspannungen verringern können.

Selbstverständlich muss der Mensch seinen Umgang mit dem Hund ändern, wenn es etwa um falsche Belastung des Hundes, Mangelerscheinungen oder ähnlichem handelt. Mit Unterstützung von Hundetrainern kann die optimierte, körperliche Auslastung des Hundes herausgefunden und umgesetzt werden. Nehmen Sie die Dienste des Hundetrainers ruhig ein wenig länger in Anspruch, damit sich die Neuerungen in Bezug auf die körperliche Betätigung festigen können.

In puncto Mangelerscheinungen ist die kompetente Beratung eines Ernährungsberaters für Hunde ratsam. Er deckt die Probleme der aktuellen Fütterung auf und kann entsprechende Änderungen herbeiführen. Für Sie als Hundebesitzer ist es allerdings wichtig, die Änderungen auch durchzuführen und konsequent beizubehalten, damit die Mangelerscheinungen nicht wieder auftreten. Wer in den alten Trott verfällt, wird sich bald erneut vor diesem Problem wiederfinden.

Zurück zu den unbedenklichen Ursachen

Natürlich besteht auch bei ihnen mitunter Handlungsbedarf. Ist der Hund unterkühlt, aufgrund eines eisigen und nassen Spaziergangwetters, so ist er zu Hause abzutrocknen und zu wärmen. Im Idealfall besitzen Sie einen Holzofen, den Sie an einem solchen Tag zum Aufwärmen anfeuern können. Alternativ kann der Hund im Freien einen eigenen Regenmantel tragen, im Winter natürlich gefüttert. Auch für den Innenbereich stehen Bademäntel bereit. Orientieren Sie sich an Ihrem Hund und seinen Bedürfnissen.

Sollte Ihr Hund träumen, unterbrechen Sie ihn bitte nicht. Dabei könnte sich der Hund extrem erschrecken. Was dies wiederum auslösen wurde? Keiner weiß es so genau. Dennoch ist eindeutig, dass wir selber ja auch nicht aus unseren schönsten Träumen gerissen werden wollen, nicht wahr?

FAQ

🐶 Kann sich bei jedem Hund ein Zittern einstellen?

Grundsätzlich besteht die Option bei jedem Hund. Ob es tatsächlich irgendwann in seinem Leben ausgelöst wird, kann niemand vorhersagen.

🐶 Welches sind die „ersten“ Maßnahmen, die eingeleitet werden sollten?

Hier muss mit einer Gegenfrage geantwortet werden. Handelt es sich um unbedenkliche Symptome, sollten direkte Maßnahmen wie Aufwärmen, Füttern, vielleicht mit warmer Hundesuppe, durchgeführt werden. Auch ein kuscheliges Bett wird den Hund erfreuen.

🐶 Warum sollte man bei andauerndem Zittern zum Tierarzt gehen?

Hört der Hund nicht wieder auf zu zittern, ist ein Gang zum Tierarzt notwendig sein, damit dieser mit seiner fortgeschrittenen Diagnostik der Ursache auf den Grund gehen kann. Er kann die notwendigen Maßnahmen einleiten, um dem Hund dauerhaft zu unterstützen oder das Zittern vollständig beseitigen.

🐶 Können sich ernsthafte Krankheiten hinter dem Zittern verbergen?

Ja, leider können auch ernsthafte Erkrankungen wie Tumore oder Epilepsie dahinterstecken. Um diese zu erkennen und adäquat zu behandeln, ist das Fachwissen des Tierarztes unumgänglich. Ob und wie therapiert werden kann, wird sich individuell nach Abschluss der Diagnostik zeigen.

Kategorisiert als:

Gesundheit,

Letzte Änderung: 31. Mai 2024