Erschrecken Sie nicht, wenn Sie das Bild dieses Hundes sehen. Wie heißt es so schön: „Beurteile ein Buch nicht nach seinem Einband.“ Genau so ist es nämlich auch mit dem Bullmastiff. Er mag auf den ersten Blick einschüchternd wirken, doch sollten Sie sich die Zeit nehmen, ihn besser kennenzulernen. Dann verstehen Sie auch, warum er in Deutschland einen recht großen Fanclub besitzt.

Charakter des Bullmastiffs

Die meisten Menschen wollen es anfänglich nicht glauben. Und doch besitzt der Bullmastiff ein sanftes Gemüt, vergleichbar mit dem eines Lamms. Es ist nahezu unmöglich, ihn aus der Fassung zu bringen. Seine hohe Reizschwelle ist sein Markenzeichen. Seine beinahe stoische Gelassenheit bringen eher seinen Kontrahenten aus der Fassung. Dennoch sollte man nie vergessen, welches Kraftpotenzial sich in ihm verbirgt. Beide Komponenten haben ihm seine Vorfahren vererbt. Sie sind fest verankert.

Verwunderlich ist dies nicht. Denn niemand, weder früher noch heute, kann einen Hund sein Eigen nennen, der nicht kontrollierbar ist. Würde er sich in einer Stresssituation gegen seinen Besitzer und dessen Familie richten, wäre es vorbei mit dieser Hunderasse.

Seit vielen Jahren wird der Bullmastiff mittlerweile als Begleithund gezüchtet. Dies hat die innere Ruhe, die Ausgeglichenheit in Kombination mit einer optimalen Kontrollierbarkeit nur noch stärker verankert. Voraussetzung für einen solchen Hund ist selbstverständlich die Abstammung aus einer souveränen Zuchtlinie, aber auch die solide und kompetente Sozialisierung und Ausbildung des Hundes. Wie so oft kann an dieser Stelle nur gesagt werden, dass ein gefährlicher Hund ausschließlich das Produkt eines skrupellosen und / oder unerfahrenen Ausbilders des Tieres ist.

Wird er in eine Familie aufgenommen, lernt man ihn als sanftmütiges Wesen kennen, das sich sehr gerne an seinen Besitzer anhängt. So anhänglich er auch ist, ist er dennoch ein zuverlässiger Beschützer, sollte es zu entsprechenden gefährlichen Situationen kommen. Jedoch greift er nicht an. Er nutzt seine imposante Erscheinung, um sich zwischen den Angreifer und seinen Menschen zu stellen, um diesen auf diese Weise zum Abwenden zu bewegen. Gerade bei Kindern ist diese Art des Beschützens optimal, da sie lernen, dass man sich auch auf ruhige Weise gegen einen Aggressor behaupten kann. Im Übrigen liebt er Kinder und geht sehr behutsam mit ihnen um. Fremden gegenüber ist er hingegen sehr zurückhaltend, um sie taxieren und einordnen zu können.  

So leicht er mit dem nötigen Fachwissen über Hundeführung auch zu handhaben ist, so ist er dennoch kein Anfängerhund. Alleine seine Größe, seine Kraft und das darauf entstehende Potenzial verlangen, dass er in erfahrene Hände gelangt.

Der geschichtliche Hintergrund des Bullmastiff

Der Bullmastiff ist den Molossern zugehörig. Denn seine Vorfahren waren einerseits der Bulldog und andererseits der Old English Mastiff. Schauen wir uns die Geschichte an, werden wir sehen, dass der Typ des Molossers schon in der Antike zu finden war. Dort hatte er bereits eine sehr große Bedeutung. Einerseits wurde er auf großes, wehrhaftes Wild angesetzt. Andererseits hat er bereits in dieser Zeitepoche einen guten Ruf als Wach- und Schutzhund genossen. So ist es nicht verwunderlich, dass all seine Nachkommen bzw. die aus ihm entstandenen Hunderassen allesamt gute Wach- und Schutzinstinkte besitzen.

In der Antike wurde der Molosser geradezu verehrt. In Granit gemeißelt, kann er heute noch in verschiedenen Bauwerken oder Ruinen bewundert werden. Gerade in dieser Zeitepoche wurden sie mehr als Kriegshunde, als als Wach- bzw. Schutzhunde gehalten. Verwunderlich ist dies nicht, denn bereits ihr Körperbau ist extrem imposant. Der Gegner wird es sich also mehrfach überlegen, ob er sich mit diesem Hund auseinandersetzen möchte oder um diesen Feind einen Bogen macht.

Was damals ebenso wenig auf den ersten Blick ersichtlich war, ist das Gemüt des Hundes. Und dieses steht in Kontrast zu seinem Äußeren. Sicherlich ist er mutig, wachsam und lässt sich nicht die Butter vom Brot nehmen. Dass er jedoch eine recht hohe Reizschwelle besitzt, sieht man ihm natürlich nicht an. Es war also mehr sein Aussehen, dass den Gegner in die Flucht schlug.

Der Bullmastiff, wie wir ihn heute kennen, ist erst im 19. Jahrhundert entstanden. Englische Wildhüter benötigten einen Hund, der ihnen beim Bewachen der Landgüter behilflich war. Er musste einerseits gut zu handhaben sein. Andererseits war es wichtig, dass er bei Bedarf auch Wilddiebe stellen konnte. Am besten sollte er diesen umwerfen und am Boden halten können.

Was er aber auf keinen Fall durfte, war den Wilddieb verletzen oder töten. Somit war ein Hund gefragt, der nicht nur die körperliche Statur und Wendigkeit mitbrachte, sondern auch gut abzurichten war, um seine Aufgabe so differenziert wie nur möglich zu erledigen. Deshalb wurde der Mastiff mit dem Bulldog gekreuzt. Dieser brachte den Mut und die Kampfkraft mit, die wir heute noch in dem Bullmastiff finden.

Zudem ist auch der Bulldog vom erfahrenen Hundemenschen gut zu erziehen und daher sehr gut abrufbar. Seine hohe Reizschwelle macht es dem Hundeführer einfach, ihn gezielt einzusetzen. Dennoch war es vom züchterischen Standpunkt her ein langer Weg bis zu dem Bullmastiff, den wir heute kennen.

Als er von den Wildhütern nicht mehr benötigt wurde, hat man ihn zum Polizeidienst eingesetzt. Auch in diesem Bereich war es mehr seine Erscheinung als eine potenzielle Gefahr, die ihm zu viel Erfolg verhalf.

Dennoch wurde der Bullmastiff erst im Jahr 1924 vom englischen Kennel Club anerkannt. Im Jahr 1955 folgte dann die Anerkennung durch den FCI.

Es ist kein Geheimnis, dass es in Deutschland viele Hundefreunde gibt, die sich wahrlich in diese Hunderasse verliebt haben. Jedoch darf man nicht verheimlichen, dass er in verschiedenen Bundesländern auf der Liste der vermeintlich gefährlichen Hunde steht. Pro Jahr kommen hier rund 100 Welpen auf die Welt.

Die Farben des Bullmastiffs

Der Bullmastiff tritt in den Farben rehbraun, rot oder gestromt auf. Andere Farben bzw. Farbkombinationen sind vom Standard nicht erwünscht.

Welche Ansprüche stellt der Bullmastiff?

Für den Bullmastiff ist Erfahrung notwendig. Denn die Kraft, die er mitbringt, erlauben keine Fehler in der Erziehung, aber auch der Hundeführung an sich.

Abgesehen davon benötigt er den familiären Anschluss und seine Streicheleinheiten. Mehr braucht es nicht, um diesen Hund glücklich zu machen.

Achtung – wer sich diesen Hund anschafft, kann schon einmal nach einem großen Auto Ausschau halten. Denn die meisten Autos sind für ihn einfach zu klein.

Auch sollte man wissen, dass er zwar mit Wärme zurechtkommen, wenn es sein muss. Doch Kälte ist ihm definitiv lieber.

Ach, noch eines: Natürlich sollte der Bullmastiff an der Leine geführt werden. Allerdings ist es sinnvoll, ihn derart zu erziehen, als wäre die Leine nicht vorhanden. Denn seien wir einmal ehrlich: Wenn er es möchte, kann er jeden Menschen (ja, wirklich jeden) an der Leine locker hinter sich herziehen, sollte er auf die Idee kommen, abrupt loszurennen. Da ist kein Halten mehr. Aus Respekt vor anderen Hundebesitzern und Spaziergängern aber ist die Leine (dekoratives) Pflichtprogramm.

Der Bullmastiff und seine Gesundheit

Ein Manko, mit dem viele große Hunderassen zu kämpfen haben, ist die Hüftgelenksdysplasie (HD) bzw. die Ellenbogengelenksdysplasie (ED). Um dies jedoch zu vermeiden, wird bereits beim Züchter darauf geachtet, dass Hunde mit diesen Krankheitsbildern aus dem Zuchtprogramm genommen werden, um die kommenden Generationen nicht damit zu belasten. Obwohl er sich ansonsten einer sehr robusten Gesundheit erfreut, hat er nur eine recht geringe Lebenserwartung.

Vor- und Nachteile des Bullmastiffs

Der sehr große Vorteil dieser Hunderasse ist die hohe Reizschwelle und die Tatsache, dass er sich seiner Wirkung auf Menschen und Hunde bewusst ist. Er setzt seine Kraft nur dann ein, wenn alles andere nicht mehr funktioniert. Da er gerne lernt, ist er leicht auszubilden und zu führen. Doch bedarf es dennoch einer konsequenten, weichen Hand, um einen souveränen Hund aus ihm zu formen.

Eigentlich bringt er nur einen Nachteil mit sich: Nämlich seine kurze Lebenserwartung.

Die Welpen des Bullmastiff kaufen

Gerade bei den Hunderassen, die sich auf den Listen der vermeintlich gefährlichen Hunde befinden, sollte man unbedingt einen souveränen Züchter wählen, wenn man einen Welpen anschaffen möchte. Lassen Sie sich gerne vom Zuchtverband beraten, welcher Züchter für Sie am besten in Frage kommen könnte. Stimmt die Chemie zum Züchter, aber auch zur Zuchthündin bzw. den Welpen, haben Sie die richtige Wahl getroffen.

Die Ausstattung für einen Bullmastif

Hinsichtlich der Ausstattung braucht der Bullmastiff nichts Außergewöhnliches. Oder doch: Denn Halsband oder Geschirr sollten entsprechend groß sein. Dies gilt eigentlich für alle Ausrüstungsgegenstände.

Hundefutter für den Bullmastiff

Wir haben es hier mit einer Hunderasse zu tun, die ganz besonders in der Wachstumsphase einen ausgewogenen Ernährungsplan benötigt. Damit er kein Übergewicht ansetzt, das nur schwer wieder zu eliminieren ist, sollte unbedingt auf das Gewicht bzw. die Futterrationen und die ausreichende Bewegung geachtet werden. Bei dieser Hunderasse ist es tatsächlich wichtig, dass er kein Kilogramm zu viel mit sich herumträgt, um seine Lebenserwartung nicht noch weiter zu senken.

Wie viel kostet ein Bullmastiff?

Welchen Züchter haben Sie gewählt? Welche Zuchtlinie, welchen Standort. Verschiedene Faktoren spielen in die Preisbildung hinein. Für einen reinrassigen Welpen müssen Sie zur Zeit mit einem Anschaffungspreis von EURO 1.000 bis EURO 2.500 und mehr rechnen.

Woher kommt der Bullmastiff?

Woher seine Vorfahren genau stammten, ist nicht mehr nachvollziehbar. Die direkten Vorfahren, der Old Englisch Mastiff und der Bulldog, kommen genau wie der Bullmastiff auch, aus England.

Wie alt wird der Bullmastiff?

Es ist bei vielen großen Hunderassen zu beobachten, dass sie oftmals keine hohe Lebenserwartung besitzen. So auch der Bullmastiff. Gemäß den American Kennel Club liegt seine Lebenserwartung nur bei 7 bis 9 Jahren.

Wie groß und schwer wird der Bullmastiff?

Die Rüden weisen eine stolze Größe von 64 bis 69 Zentimetern auf. Für die Hündinnen wird eine Größe von 61 bis 66 Zentimetern vorgegeben. Dabei sollten sie ein Gewicht von 50 bis 59 Kilogramm bei den Rüden und 41 bis 50 Kilogramm bei den Hündinnen erlangen.

Wie viele Welpen bekommt der Bullmastiff?

Auch wenn es sich um eine große Hunderasse handelt, können wir keine großen Würfe erwarten. Der durchschnittliche Wurf des Bullmastiffs bringt zwischen 4 und 6 Welpen hervor.

Ist der Bullmastiff ein Jagdhund?

Der Bullmastiff geht aus den Molossern hervor, einer Hunderasse, die bereits in der Antike ein lange Geschichte mit sich trug. Diese wurden entweder als Wach- und Schutzhunde, oder aber als Jagdhunde für großes Wild eingesetzt, von dem man wusste, dass es vehement zur Wehr setzen würde. In unseren Regionen jedoch sind sie überwiegend als Schutz- und Wachhunde zum Einsatz gebracht worden. Zum Jagen hat man lieber auf leichtere, wendigere Hunderassen gesetzt.

Ist der Bullmastiff ein Familienhund?

Aufgrund seines ruhigen Gemüts, seiner Gelassenheit und seiner Liebe zu Kindern ist es kein Problem, sich einen Bullmastif als Familienhund zu zulegen. Doch bedenken Sie bitte, dass der Bullmastiff einen konsequenten und gleichzeitig sanften Rudelführer braucht. So sehr er die Anbindung an die Menschen auch braucht, ist er dennoch ein Rudelmitglied – nicht der Anführer.

Kann der Bullmastiff in einer (Stadt-)wohnung gehalten werden?

Der Bullmastiff wird sich den Gegebenheiten anpassen, wenn seine Menschen dies notwendig machen. Dennoch sollte man von der Haltung in einer Wohnung, geschweige denn in der Stadt, absehen. Am besten wäre ein kleiner oder größerer Garten, damit er seiner Aufgabe als Wachhund nachkommen kann.

FAQ

🐶 Ist der Bullmastiff ein Anfängerhund?

Nein, auch wenn der Bullmastiff sehr aufgeschlossen ist und sich leicht erziehen lässt, ist seine Führung doch recht anspruchsvoll. Er darf nicht das Gefühl bekommen, die Führung übernehmen zu können.

🐶 Kann man in der Stadt einen Bullmastif halten?

Nein, die Stadt ist nicht das Metier des Bullmastiffs. Sicherlich würde er sich, an der Seite seines Besitzers, an die neue Umgebung gewöhnen. Doch ist er schlicht und ergreifend zu groß, um sich in der engen, vielleicht hektischen Stadt wohlzufühlen.

🐶 Verträgt sich der Bullmastiff mit Kindern? 

Der Bullmastiff ist ein sanfter Riese. Zudem liebt er Kinder und geht sanft und freundlich mit ihnen um.

🐶 Wie viel Bewegung benötigt der Bullmastiff?

Sicherlich ist der Bullmastiff ein Hund, der auch gerne einmal herumtollt. Hinsichtlich seiner Bewegung jedoch ist er eher ruhig und gesetzt. Lange Spaziergänge oder gar Wanderungen sind nicht sein Fall.

Kategorisiert als:

Hunderassen,

Letzte Änderung: 31. Mai 2024